Auf der Suche nach einem ökologischem Waschmittel, das frei von Enzymen, Duftstoffen und sonstigen künstlichen Stoffen ist, bin ich vor einiger Zeit auf die Waschnüsse gestoßen und habe ein Rezept entwickelt, das diese optimal ausnutzt und zudem sehr günstig ist.
Nicht nur für Allergiker, die aus gesundheitlichen Gründen auf künstliche Zusatzstoffe verzichten müssen, ist die Waschnuss interessant, sondern auch für Menschen, denen an umweltschonenden, nachhaltig angebauten Rohstoffen gelegen ist. Wer schon einmal versucht hat, Waschmittel ohne Duftstoffe zu kaufen, wird wissen, wie schwer zu bekommen und teuer solche Produkte sind.
Ebenso, wie bei der Herstellung von Kosmetik, schafft die eigene Herstellung von Waschmittel ein neues Bewusstsein für derartige Produkte und deren Wirkungen auf die Umwelt. Herkömmliche Waschmittel sind zumeist 95% biologisch abbaubar. Aber was ist mit den restlichen 5%? Bei ca. 700.000 Tonnen Waschmittel jährlich in Deutschland (Quelle: Wäsche Waschen mit weißer Weste, Hobbythek) sind das immerhin 35.000 Tonnen!! jährlich nicht abbaubare Chemikalien.
Die Waschnuss ist die Frucht von Bäumen aus der Familie der "Seifenbaumgewächse" und kommt hauptsächlich in Indien und Nepal vor. Die Familie der Seifenbaumgewächse umfasst über 2.000 Arten.Seifenbaumgewächse produzieren das waschkräftige Saponin, um sich selbst vor Schädlingsbefall zu schützen, und Bakterien und Pilze abzutöten oder fernzuhalten. Das Saponin besitzt eine hohe Reinigungskraft und befindet sich in besonders konzentrierter Form in der Fruchtschale der Waschnüsse. Überwiegend werden Waschnüsse (noch) durch Wildsammlungen erworben, aber auch von Kleinbauern bauen angebaut.
Mit Waschnüssen gewaschene Wäsche wird sauber und so weich, dass man das Gefühl hat, dass die doppelte Menge Weichspüler verwendet wurde. Und das Tollste: 100 % pflanzlich und biologisch abbaubar.
Das in den Waschnüssen enthaltene Saponin löst sehr effektiv Verschmutzungen und Flecken aus Kleidern. Dabei ist es dennoch so mild, dass es mit den Fasern und Farben der Wäsche äußerst schonend umgeht. Auch Stoffe, wie Leinen und Wolle werden wunderbar weich und das Leinen knittert nicht mehr ganz so stark. Zudem geht das Bügeln leicht von der Hand.
Klar, für Matschknie auf Kinderhosen braucht man ein Vorwaschspray (braucht man häufig aber auch bei herkömmlichen Waschmitteln) und für Weißwäsche Sauerstoffaufheller. In Bereichen, wo es nur hartes Wasser gibt, ist zusätzlich noch ein Wasserenthärter von Nöten. Alles braucht man zumindest auch immer bei Baukastensystemen. Die Waschnüsse ersetzten also das Grundwaschmittel. Die Zusatzstoffe sind lediglich optischer Natur oder schützen unsere Waschmaschinen vor dem gefürchteten "Lochfraß" (wie uns eine bestimmte Firma in der Werbung immer wieder in Erinnerung ruft). Sauber wird die Wäsche auch ohne all diese Zusatzstoffe.
Herkömmlicher Weise werden für einen Waschgang 4-6 Waschnussschalenhälften in einen Stoffbeutel gefüllt und mit in den Waschgang gegeben. Das ist alles, was gemacht werden muss, um saubere Wäsche zu erhalten.
Bei Temperaturen bis 60°C kann ein Beutel bis zu 3-mal verwendet werden.
Mittlerweile habe ich ein "Kochrezept" für einen Waschnussextrakt entwickelt, der die Nüsse optimal ausnutzt und verwertet, so dass man aus 50 g Nüssen 1 Liter Waschmittel machen kann, das für 8-10 Anwendungen (100-120 ml) reicht.
Vorteil: Man kann diesen Extrakt genauso verwenden, wie ein herkömmliches Waschmittel.
Weiterer Vorteil: Die Reste werden ganz normal rausgespült und trotzdem ist die Wäsche super weich.
Noch ein Vorteil: Das Saponin löst sich erst richtig bei hohen Temperaturen. 30°C mag da etwas niedrig für die volle Ausbeute sein. Wenn man die Nüsse kocht, hat man die hohen Temperaturen im Kochtopf und nicht in der Waschmaschine :-)
Rezept: Waschnussextrakt
Grundsatz: Je öfters und heißer die Waschnussschalen ausgekocht
werden, desto besser ist der Ertrag. Das folgende Rezept nutzt den Ertrag der
Waschnussschalen optimal aus. Es mag durch das dreimalige Aufkochen etwas umständlich
wirken, aber wenn man die nachfolgenden Tipps beachtet, geht das nebenbei (z.B.
beim Kochen) und nimmt kaum Zeit in Anspruch. Also bitte nicht abschrecken lassen!
Es handelt sich bei den folgenden Mengenangaben nur um ungefähre Werte, damit
am Ende ca. 1 Liter Waschnussextrakt herauskommt. Wenn es etwas mehr wird, kann
man etwas höher dosieren, wenn es weniger wird, eben niedriger dosieren oder
einfach etwas abgekochtes Wasser hinzufügen.
Vorbereitung
Es ist wichtig, einen großen Topf mit mind. 2-3 Liter Fassungsvermögen
zu nehmen, da die Waschnussschalen durch das Saponin zum Überkochen
neigen. Besonders gut geeignet ist ein hoher Spargeltopf, falls man einen
zur Hand hat.
Zum Abgießen des Sudes haben sich eine
große Schüssel und 2 ineinander passende Siebe bewährt,
zwischen die man ein dünnmaschiges Baumwolltuch legt. Das obere Sieb
fängt die Waschnussschalen auf und das untere hält das Tuch.
Es ist allgemein wichtig, mit großen Gefäßen, etc. zu
arbeiten, weil so nichts überkocht oder daneben läuft. So geht
alles sehr unkompliziert und läuft wirklich nebenbei. Der Arbeits-
und Zeitaufwand ist sehr gering, wenn man einmal sein Kochsystem gefunden
hat.
Einweichen und Auskochen
50-75 g Waschnüsse (je nach gewünschter Waschintensität)
in
ca. 350 ml heißem Wasser
mind. 1 Stunde (aber auch über Nacht) einweichen, am Besten
schon im Kochtopf.
Die Mischung aufkochen, etwas köcheln lassen und Sud durch
Sieb und Tuch (siehe oben) abgießen.
Die ausgekochten Waschnüsse wieder in den Topf geben und 350 ml
Wasser zugeben
mit Passierstab passieren,
erneut aufkochen,
und Sud durch ein feinmaschiges Sieb abgießen.
Tipp: Beim Passieren ist es sinnvoll, den Topf mit einem Tuch abzudecken und erst einmal zu testen, wie sehr es spritzt, was von dem verwendeten Topf und dem Passierstab abhängt.
Das würde schon reichen. Wer aber auch den letzten Rest ausschöpfen
möchte, kann die Waschnussmasse erneut in 350 ml Wasser aufkochen
und Sud wieder wie oben abgießen. Wer sich dies ersparen möchte,
nimmt bei den ersten beiden Kochgängen je 525 ml Wasser
Den so gewonnenen Sud durch den Baumwollstoff mit einem Trichter in das
gut gereinigte Aufbewahrungsgefäß umgießen.
Tipp: Sehr gut geeignet ist hierfür
auch ein sauberer Baumwollstrumpf, der wie ein Teesieb über das Gefäß
gespannt werden kann. So sammeln sich die Reste der Waschnüsse in
dem Strumpf und können leicht (auf dem Kompost oder in der Biotonne)
entsorgt werden. Dies ist sinnvoll, wenn man kein Sieb zur Hand hat
Konservierung
Mit 25 Tropfen äth. Teebaumöl und die gleiche Menge Zitronen- oder Lavendelöl konservieren. Das Mittel
hält so mindestens gute 2 Wochen, im Kühlschrank länger.
Die Wäsche riecht durch das Zitronen- oder Lavendelöl (oder
ein anderes keimtötend wirkendes Öl nach Belieben) noch besser
und alles wird noch etwas haltbarer, als nur mit Teebaumöl.
Ein weiterer idealer Zusatzstoff zur Konservierung ist Zitronensäure.
Diese hat zudem die gleiche Wirkung wie Zitronensäure Lösung und entkalkt zugleich die
Wäsche, pflegt die Maschine und verbessert so das Waschergebnis.
Sie kann direkt in den Waschnussschalenextrakt gegeben werden und erhöht
so den Aufwand beim Waschen nicht.
Dosierung: ca. 2 Teel. auf 1 L Extrakt.
Tipp: Viel mehr sollte man aber nicht nehmen, weil sonst die Wäsche angegriffen
werden könnte. Wer einen echten Entkalkungseffekt für die Waschmaschine
und so einen zusätzlichen Weichspüleffek erreichen möchte,
kann sich mit der Zitronensäure sein Zitronensäure Lösung selber herstellen,
das in den Weichspülgang kommt. So ist die Zitronensäure nicht
so lange im Kontakt mit der Wäsche und pflegt sie zugleich. HIER
geht es zum Rezept.
Verwendung:
Von dem abgekühlten Waschnussextrakt kommen 100 - 120 ml wie Flüssigwaschmittel
in die Waschmaschine. Bei 5 bis 7 Kg Fassungsvermögen reicht diese Menge.
Bei Bedarf und je nach Wasserhärte kann natürlich auch weniger oder
mehr dosiert werden.
Tipp: Falls durch Verkochen weniger als 1 Liter Extrakt herauskommt, Waschnussmasse noch einmal mit entsprechender Restmenge Wasser aufkochen und Sud abgießen. Oder man dosiert einfach weniger. Oder man füllt die Restmenge einfach mit abgekochtem Wasser aus.
Tipp: Kaffeefilter eignen sich nicht so gut zum Filtern, weil sie oft reißen und etwas zu feinporig sind, so dass der Filtervorgang zu lange dauert.
Tipp: Das Teebaumöl riecht interessanterweise nach dem Waschen sehr gut in der Wäsche. Es ist ein ganz leichter, frischer Geruch. Natürlich können auch andere äth. Öle, z.B. Lavendel, Rosmarin, etc. verwendet werden. Vorteil des Teebaumöls, es hat eine (in dieser Verdünnung) leicht(!) desinfizierende und keimtötende Wirkung, was auch der Wäsche zugute kommt.
Tipp: Das Passieren muss nicht unbedingt sein. Allerdings werden so die Wirkstoffe optimaler ausgenutzt, weil die Schalen so am Meisten mit dem lösenden Wasser in Kontakt kommen. Es lassen sich aber auch ohne das Passieren gute Ergebnisse erzielen, vorallem, wenn es mal schnell gehen muss. Man kann die so ausgekochten Schalen wieder trocknen lassen und ein anderes mal passieren.
Tipp: Man kann auch auf Vorrat kochen und einen Teil einfrieren.
Waschnüsse liegen voll im Trend und es gibt mittlerweile eine Vielzahl von (leider nicht immer seriösen) Anbietern, auch im Internet.
Ich beziehe meine Waschnussschalen bei einem renommierten Anbieter, der fair handelt und auf Kinderarbeit verzichtet. Unsere Zielsetzung ist, die Waren so ökologisch, ethisch-korrekt, so gesund wie möglich, aber trotzdem zu günstigen Preisen anzubieten.
Die Waschnussschalen sind, wenn sie in Deutschland ankommen, sofort gebrauchsfertig
und müssen -im Gegensatz zu den in Deutschland ebenfalls angebotenen ganzen
Waschnüssen - vor der Anwendung nicht mehr entkernt werden. Es werden also
nur die saponinhaltigen Schalen und nicht zusätzlich große Mengen der unbrauchbaren (schweren) Kerne mitgeliefert.
Hier findet Ihr weitere Informationen zum Versand und die Lieferbedingungen.
Sie können die Waschnussschalen im Meine Kosmetik Shop oder über das folgende Bestellformular (per e-Mail) erwerben.
Waschnüsse sind ein echtes Multitalent und eignen sich neben der Verwendung als Waschmittel für zahlreiche weitere Anwendungsgebiete:
Shampoo: Der Waschnussextrakt kann für Shampoos verwendet werden. Angeblich soll er lang anhaltend und effektiv Schuppen bekämpfen und dem Haar seidigen Glanz und Vitalität schenken. Nach der Haarwäsche mit einem Waschnuss-Sud lassen sich die Haare wunderbar leicht durchkämmen und sie sollen weniger schnell nachfetten. Insbesondere für Allergiker und Menschen mit empfindlicher Kopfhaut ist dieses Shampoo äußerst verträglich. Leider reicht bei langen Haaren die Fettlöslichkeit nicht aus. Selber habe ich es nach anfänglichen Versuchen nicht weiter gestestet, da ich mit dem Hobbythekshampoo sehr zufrieden bin. Ich kann mir allerdings gut vorstellen, das Wasser im Hobbythekshampoo durch Waschnussextrakt zu ersetzen, was ich demnächst testen werde.
Tier-Shampoo: Auch für Tiere sollen die Waschnüsse geeignet sein. Mein Kater erledigt das allerdings selber.
Allzweck-Reiniger: Der Waschnussextrakt kann anstelle chemischer Reinigungsmittel in Küche und Bad genutzt werden. Gerade in der Küche ist es einen Versuch wert.
Spülmittel: Laut vielen Angaben sollen die reinigenden und desinfizierenden Eigenschaften der Waschnuss den Waschnuss-Sud zum ergiebigen und nicht nur hautschonenden, sondern sogar hautpflegenden Spülmittel machen. Das Geschirr wird leider nicht 100% sauber, da hierfür die Fettlöslichkeit nicht ausreichend ist.
Flüssigseife: Ein hoch konzentrierter Waschnuss-Sud ergibt eine hautpflegende Flüssigseife, die man in einen Seifenspender füllen kann. Gut zum Händewaschen geeignet, da bei der Handwäsche ein mildes, nicht zu fettlösendes Mittel wegen des Schutzmantels der Haut bevorzugt werden sollte.
Pflanzenschutzmittel: Angaben des Händlers: Besprühen Sie Ihre Zimmer- oder Gartenpflanzen mit einem Waschnuss-Sud und nutzen Sie dabei die schädlingsbekämpfende Funktion des Saponins (denn genau für diesen Zweck produziert der Waschnuss-Baum Saponin). Bekämpft wirkungsvoll Schädlinge wie z.B. Blattläuse, ohne der Pflanze zu schaden und ohne Ihren Garten mit Chemie zu belasten.
Das werde ich demnächst eingehend testen.
Mit dem Waschnuss-Sud kann theoretisch "alles" gereinigt werden - selbst zur umweltfreundlichen Autowäsche ist der Sud geeignet.
Je härter das Wasser ist, desto schlechter die Reinigungskraft. Daher immer einen Wasserenthärter benutzen, falls dies nötig ist. Die Wasserhärte kann man kostenlos bei den örtlichen Wasserwerken erfragen.
Für Weißwäsche muss man ein Bleichmittel verwenden, weil gerade die selbst gebleichten weißen Stofffasern sonst sehr schnell grau werden.
Für Buntwäsche gibt es das Hobbythekmittel "Colour Safe", das das Verfärben der Wäsche verhindert. Gerade bei neuen Kleidungsstücken ist dieses Mittel sehr effektiv, da es sich um die Farbpartikel legt und so ein Verfärben der übrigen Wäsche verhindert.